Informationen für Therapeuten

THERAPEUTEN INFO

Reflexzonentherapie / Bindegewebsmassage ist in mehr oder weniger großem Umfang ein Teil der Ausbildung zum Masseur sowie zum Physiotherapeuten.

Leider ist sie heute eine vergessene Therapiemethode, die unbedingt mehr beachtet und angewendet werden sollte, denn die Reflexzonentherapie / Bindegewebsmassage
- nimmt über den Zug im Bindegewebe positiven Einfluß auf die Funktion der Organe
(-> cuti-visceraler Reflexbogen).
- trägt zur Regulierung des vegetativen Nervensystems bei.
- ist als lokale Behandlung von Muskel/Sehnen- Strukturen, besonders im Gelenkbereich sehr erfolgreich.

Das vegetativen Nervensystem mit seinem sympathischen und parasympathischen Anteil läßt in Zusammenarbeit mit dem Hormonsystem den Körper zu einem funktionierenden Gesamtorganismus werden. Alle lebensnotwendigen Funktionen werden anteilig vom vegetativen Nervensystem gesteuert. Liegt eine Dysbalance in diesem System vor, kann sie durch die Reflexzonentherapie / Bindegewebsmassage ausgeglichen werden.

Der Stellenwert der Reflexzonentherapie / Bindegewebsmassage in der heutigen Therapiepraxis, die Berührungsängste der Kollegen in Bezug auf den Einsatz der Therapie und die seltene Verordnung durch den Arzt, macht die Notwendigkeit der Veränderung im Umgang mit dieser Therapiemethode deutlich.

Oft sind die Unterrichtskonzepte, die Vermittlung in den Schulen zu unbeweglich und zu undurchsichtig, nicht praxisnah.
Die Technik selbst bedarf besonderer Übung. Eine saubere Technik zeigt Wirkung beim Patienten und schont die Fingergelenke.

Die positiven Therapieerfahrungen der Kollegen der Arbeitsgemeinschaft beim Einsatz der Reflexzonentherapie / Bindegewebsmassage in der Orthopädie, der Chirurgie, der Inneren Medizin, der Onkologie, der Rheumatologie, der Angiologie und der Dermatologie sind Basis und Motivation Ansätze zur Veränderung zu entwickeln:

in puncto   Befunderhebung
    Technik/Ausgangsstellung
    Strichführungen
    Behandlungsaufbau



Befunderhebung:

Veränderungen im Bindegewebe sind sicht- und tastbar.
-> Bindegewebszonen

Jedem Organ ist eine typische Zone auf dem Rücken, im Verlauf der Dermatome zugeordnet.
In den meisten Fällen, zeigt jede Erkrankung ein mehr oder weniger deutlich ausgeprägtes Bild durch veränderte Zonen im Bindegewebe.

Inspektion: - Veränderungen im Flüssigkeitshaushalt des Bindegewebes
vermindertes Volumen > Einziehung
vermehrtes Volumen > Quellung


Palpation: -> verschieben der Gewebeschichten gegeneinander
- Veränderungen in der Verschieblichkeit der Gewebeschichten zueinander
(am besten im Seitenvergleich wahrzunehmen)
verminderte Verschieblichkeit
vermehrte Verschieblichkeit


-> Hautfalte fassen
- Veränderungen in der Konsistenz / Festigkeit des Bindegewebes
(am besten im Seitenvergleich wahrzunehmen)
erhöhte Konsistenz
verminderte Konsistenz

Die örtliche Ausprägung einer Zone gibt keinen Hinweis auf Intensität, Schweregrad
und Ursache der Organbeschwerden.
Es gibt Zonen, die auf Grund genetischer Veranlagung / Disposition wahrzunehmen sind.
> klinisch stumme Zonen
Jede Zone sollte beachtet werden, vor -, während - und nach einer Behandlung.
Veränderungen jeglicher Art sollten erfaßt und dokumentiert werden.



Technik:

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Wichtig ist der Zug im Bindegewebe
als kurzer oder langer Arbeitsgang.
in der entsprechenden Schicht der Körperdecke
- oberflächliche Verschiebeschicht (Dermis - Subkutis)
-> Hauttechnik
- tiefe Verschiebeschicht (Subkutis - Faszie)
-> Unterhautmassage (nur als flächiges Verschieben ohne Schneidegefühl) flächige Bindegewebsmassage, Unterhauttechnik
- direkt auf der Muskelfaszie
-> Faszientechnik
wobei die Richtung der Strichführung unterschiedliche Wirkung zeigen kann.

Der Patient empfindet ein mehr oder weniger starkes Schneidegefühl, abhängig von der Gewebsspannung und der Dosierung des Zuges.


Welche Finger, wie aufgesetzt diesen Zug durchführen, soll offen bleiben, solange ergonomisch, gelenkfreundlich und ökonomisch gearbeitet wird, ist vieles möglich. Eine zu starke Dorsalextension im Handgelenk soll jedoch vermieden werden.

Es gibt viele Varianten:
a.) man kann mit dem Mittelfinger / 3.Finger gestützt vom Ringfinger / 4.Finger,
b.) mit beiden Fingern als Einheit,
c.) bei Instabilität des Mittelfingers mit dem Zeigefinger radial oder palmar aufgesetzt arbeiten

Dosierung:
grundsätzlich kann der Zug im Bindegewebe, egal in welcher Verschiebeschicht gearbeitet wird, über das Arbeitstempo und die Intensität, mit der man den Kontakt zur entsprechenden Verschiebeschicht herstellt, dosiert werden.

Außerdem sind die Arbeitsgänge in der oberflächlichen Verschiebeschicht mit weniger Schneidegefühl und somit weniger Reizsetzung verbunden, als die Arbeitsgänge in der tiefen Verschiebeschicht. Arbeitet man an der Muskelfaszie ist das Schneidegefühl am deutlichsten.
Ist die Gewebsspannung hoch, arbeitet man also zuerst in der oberflächlichen Verschiebeschicht. Die Arbeit in der tiefen Verschiebeschicht und an der Muskelfaszie kann in dem Fall über die Länge des Zuges im Bindegewebe (ganz kurzer Zug) dosiert werden.

Bezogen auf die Ausgangstellung wäre zu sagen, dass ursprünglich die Reflexzonentherapie im Bindegewebe / die Bindegewebsmassage immer im Sitzen verabreicht wurde. Die Seit- oder Bauchlage wurde nur für die flächigen Techniken gewählt.
Schaut man aber in unterschiedliche Lehrbücher oder in den Unterricht verschiedener Schu len wird deutlich das alle Ausgangsstellungen möglich sind und auch gelehrt werden. Für den Anfänger ist die Arbeit mit Unterhaut- / Faszientechnik mit der Ausgangsstellung:
Sitz sicher der beste Weg sich anatomisch zu orientieren und eine saubere Technik zu verabreichen...



Strichführung:


· Es gibt Strichführungen nach E.Dicke, es gibt Strichführungen nach Dr. H.Teirich-Leube,
den beiden Urheberinnen der Reflexzonentherapie / Bindegewebsmassage

· Beide hatten SchülerInnen, die mehr oder weniger deutliche Veränderungen bezogen auf mögliche Strichführungen zugelassen haben.
Zu den SchülerInnen gehören H.E.Helmrich (Dicke), I.Schuh und Heidemann (Teirich- Leube).

· Es gibt Strichführungen, die von Lehrkräften vermittelt werden, bei denen die Herkunft nicht rekonstruierbar ist, aber die durchaus ihre Berechtigung haben.

   
  Ergebnis der Recherche:
Mit den Worten von I.Schuh zusammengefasst:

Der Strichführung sind keine Grenzen gesetzt, das Prinzip muss stimmen.
D.h. eine saubere Technik in der richtigen Schicht der Körperdecke und ein klarer Fokus
bezüglich der gewünschten Wirkung, lokal oder / und reflektorisch.

Züge im Bindegewebe, ob lang oder kurz können gesetzt werden:
  - an Knochen- oder Muskelrändern,
- im Ursprung- oder Ansatzgebiet eines Muskels,
- im oder quer zum Faserverlauf,
- in den Septen einzelner Muskelgruppen,
- auf Knochenvorsprünge zu, um sie herum,
- am und im Gelenkspalt,
- im Verlauf oder quer zur Sehne,
- am Muskel-Sehnen-Übergang,
- usw.



Behandlungsaufbau:

· der Zug im Bindegewebe hat eine lokale Wirkung:

- Hyperämie, dermographia rubra (rote Hautschrift)
- Stoffwechselverbesserung
- verbesserte Trophik
- verbesserte Elastizitä
t des peripheren Bindegewebes
- lösen von Adhäsionen jeglicher bindegewebiger Strukturen
- Analgesie

-> die lokale Behandlung ist angezeigt bei

- Bewegungseinschränkungen im Gelenkbereich auf Grund von fibrösen Kontrakturen,
- Adhäsionen im Muskel und Sehnenbereich
- jeglicher Veränderung bindegewebiger Strukturen mit Beteiligung des Stoffwechsels
- Narben
- Schmerzen auf Grund der o.a.Veränderungen bindegewebiger Strukturen
- siehe Indikationsliste

natürlich wird auch der reflektorische Wirkweg dabei angesprochen und genutzt, aber in erster Linie kommt die lokale Wirkung zum Tragen.
Soll das gesamte Wirkspektrum der Reflexzonentherapie / Bindegewebsmassage genutzt werden, ist es natürlich sinnvoll Strichführungen im Rumpfbereich der lokalen Behandlung vorzuschalten oder auch an die lokale Behandlung anzuschließen.

· der Zug im Bindegewebe hat eine reflektorische Wirkung:

- Regulierung des vegetativen Nervensystems: Ausgleich zwischen Parasympathikus und Sympathikus
- Verbesserung der allgemeinen Hämodynamik
- Stabilisierung des Gefäßtonus arteriell, venös
- Regulierung der Organfunktionen in Bezug auf Motilität, Sekretion und Vasomotorik
- Homöostase - Herstellung des inneren Gleichgewichtes
- Analgesie
- allgemeine Entspannung

-> entsprechend den formulierten, reflektorischen Wirkungen lassen sich die
Indikationen ableiten
- siehe Indikationsliste

In welcher Form die Behandlung bei diesen Indikationen aufzubauen ist, ist damit noch
nicht beantwortet...


Vergleicht man die beiden Urheberinnen E.Dicke und Dr.H.Teirich-Leube, findet man
viel Übereinstimmung bezogen auf den Behandlungsaufbau.

Wenn man das gesamte, positive Wirkspektrum der Reflexzonentherapie / Bindegewebsmassage nutzen will, sollte die Behandlung mit Strichführungen im Kreuzbein-, Beckenbereich beginnen.
Die Mehrzahl der Organe werden aus Th2 – Th12, also oberhalb des Beckenbereichs innerviert, behandelt man zuerst den Beckenbereich so können in der Regel Fehlreaktionen vermieden werden.

Zusätzlich ist ein allgemeiner Spannungsausgleich zwischen sympathischen und parasympathischen Anteil möglich, da über die Arbeit im Kreuzbeinbereich auch der Plexus sakralis angesprochen werden kann.

Abhängig von der Ausgangslage des Patienten und / oder dem Schweregrad der Erkrankung
müssen die Züge im Bindegewebe bei der Arbeit im Beckenbereich dosiert werden.
Die Arbeit im Beckenbereich sollte immer auf der weniger betroffenen Seite beginnen, wenn eine einseitige Belastung des Bindegewebes zu palpieren ist.

Weiterführend machen beide den Befund im Bindegewebe zum ausschlaggebenden Faktor für den Behandlungsaufbau. In welchen Zonen finden sich Auffälligkeiten im Bindegewebe? Sind ausschließlich Zonen entsprechend der offensichtlichen Erkrankung betroffen oder gibt es zusätzliche Zonen?

Beide formulieren deutlich, bei Organerkrankungen die betroffenen Segmente nicht direkt mit Unterhaut- oder Faszientechnik zu behandeln, sondern wenn überhaupt nur flächige Strichführungen zum Einsatz zu bringen.


Zu unterscheiden sind die Ansätze von E.Dicke und Dr.H.Teirich-Leube bei der Arbeit am Rumpf.
Hier geht es aber nicht darum alte Konflikte neu zu beleben, sondern beide Ansätze, mit ihren eigentlichen Aussagen zu begreifen und als mögliche unterschiedliche oder besser sich ergänzende Wege des Behandlungsaufbaus zu verstehen.

Arbeitet man wie Teirich-Leube bei Organerkrankungen zuerst am Muskelrand des M.latissimus dorsi, also im lateralen Rumpfbereich, spricht man die Innervation aus der Halswirbelsäule kommend an, weil von dort der Muskel / die gesamte Flanke versorgt wird. D.h. man wirkt nicht direkt auf die Organinnervation ein, sondern folgt dem Prinzip der langsamen Annäherung an das betroffene Gebiet.

Arbeitet man wie Dicke bei Organerkrankungen sofort im Wirbelsäulenbereich, spricht man direkt die Organinnervation an.
Wenn die Strichführungen flächig gesetzt werden, folgt auch diese Vorgehensweise dem Prinzip der langsamen Annäherung.

Außerdem kann, abhängig vom Schweregrad der Erkrankung oder der vegetativen Dysbalance, die Vorbereitung über die Arbeit im Beckenbereich, die Ausgangslage des Patienten so deutlich stabilisieren, dass die folgende Arbeit im Bereich der Organinnervation keine Fehlreaktionen erwarten lässt, d.h. es kann direkt in Richtung betroffenes Gebiet gearbeitet werden.

Wie und in welcher Form der Rumpf zu bearbeiten ist, läßt sich nur an Hand einer präzisen Befunderhebung entwickeln. In der eigentlichen Vorgehensweise der beiden Urheberinnen ist derselbe Grundgedanke ausschlaggebend.

Das Prinzip der langsamen Annäherung an die Arbeit in den tiefen Verschiebeschichten der betroffenen Segmente ist beiden gemeinsam.
Die Arbeit im Becken- Kreuzbeinbereich ist immer der erste Schritt, ob flächige Strichführungen oder Züge in der tiefen Verschiebeschicht muß an Hand der Befunderhebung entschieden werden.
Die Behandlung des Rumpfes über ausschließlich bzw. vorrangig flächige Arbeitsgänge, oder die Arbeit im lateralen Rumpfbereich, oder über die kontralaterale Arbeit weiterzuführen, entscheidet der Therapeut immer in Hinblick auf den Befund.

An dieser Stelle soll noch einmal darauf hingewiesen werden:
Es gibt viele unterschiedliche Wege ein Krankheitsbild adäquat zu behandeln.
Es beinhaltet eine zu starke Beschneidung der Möglichkeiten, die in der Therapie stecken, wenn man an dieser Stelle die Vorgehensweise von Dicke und Teirich-Leube alternativ diskutiert.

Lebendigkeit entsteht nur durch Integration und Innovation und das sind wir der Bindegewebsmassage, sowie ihren Urheberinnen schuldig. Starre Konzepte passen nicht zu individuellen, variablen Krankheitsbildern, die Patienten mitbringen.


Ausblick:
Die Auseinandersetzung, in welcher Form auch die Reflexzonentherapie/Bindegewebsmassage innerhalb einer Behandlung mit anderen Massagemethoden kombiniert werden kann, kann hier nicht geführt werden.
Sicher ist aber, dass die möglichen Kombinationen das ganze Spektrum der manipulativen Therapien betreffen.
Die Reflexzonentherapie / Bindegewebsmassage muß nicht ausschließlich als eine in sich geschlossene Behandlungsmethode verabreicht werden.