Erfahrungsberichte

· periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
· Morbus Raynaud
· Postoperative Behandlung des Kniegelenkes
· Periarthrosis /-itis humero-scapularis „PHS“
· Erektile Störungen
· M.Sudeck / sympathische Reflexdystrophie / regionales Schmerzsyndrom Typ I
· Lungenfunktionsstörungen
· Asthma bronchiale
· Zustand nach Magenresektion

periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK):

Beschwerdebild:

Der 65 Jahre alte Patient klagte über Schmerzen in den Beinen und gefühllose Füße. Es wurde bereits ein Stent implantiert. Trotzdem wurde die Amputation der Großzehe unumgänglich.
Der Patient gab an wegen der Beschwerden seit Monaten jede Nacht mehrmals aufzuwachen und nur schwer wieder einschlafen zu können.

Behandlung:

Bei der ersten Bindegewebsmassage arbeitete ich nur in der oberen Verschiebeschicht und während der Längszüge über dem Glutaeus setzte zum Erstaunen des Patienten ein angenehmes Kribbeln in den Beinen ein. „Ich spüre meine Füße wieder!“

Im Bereich der arteriellen Beinzone wiederholte ich die Züge um die Wirkung zu verstärken. Nach dem kleinen Aufbau behandelte ich lediglich die Oberschenkel von distal nach proximal. Inzwischen spürte der Patient ein Wärmegefühl in Beinen und Füßen.

Durch einen Zufall konnte ich die Bindegewebsmassage abends durchführen. Am nächsten Morgen rief der Patient mich an und berichtete er habe die ganze Nacht tief und fest geschlafen.

Fazit:

Ähnliche Erfahrungen habe ich immer wieder gemacht.

Bei uns in der Klinik werden die Patienten jedoch meist in einem früherem Stadium behandelt. Immer wieder wird von einem Wärmegefühl berichtet. Über die verbesserte Durchblutung wird das Gewebe besser versorgt und die Patienten spüren ihre eiskalten, tauben Füße wieder.
Ich denke, dies hat eine nicht zu unterschätzende psychologische Wirkung.

Marion Stoll
Fachlehrerin an der Storck-Schule, Bad Endbach



Morbus Raynaud:

Beschwerdebild:

Der Patient (Anfang 40) zeigte die typischen Symptome: eiskalte Hände mit blauverfärbtem Nagelbett und er trug trotz der sommerlichen Temperaturen dicke Wollsocken.

Behandlung:

Ich behandelte den kompletten Rücken nach dem Schema von Heidemann, wobei ich den Schwerpunkt auf die parallelen Längsstriche über den Glutaeus und die Anhakzüge hinter dem Trochanter major legte. Schon jetzt hatte der Patient ein angenehm warmes Gefühl in den Füßen.
Da er jedoch unter seinen Händen mehr litt, behandelte ich nach dem gesamten Rücken Arme und Hände. Besonders sorgfältig arbeitete ich an den Fingern, insbesondere an den Endgliedern („schnipsen“). Die Finger waren nun leicht rosig und das Nagelbett inzwischen weiß. Ich empfahl dem Patienten sich etwas auszuruhen. Später berichtete er, er habe zwei Stunden tief und fest geschlafen.

Zur zweiten Behandlung erschien er ohne dicke Wollsocken. Das Nagelbett war immer noch weiß. Nach der Bindegewebsmassage war die Durchblutung soweit verbessert, dass das Nagelbett rosig schimmerte. Der Patient machte anschließend nur ein „kleines Nickerchen“.

Er freute sich nun auf die Bindegewebsmassage und war danach voller Tatendrang.

Fazit:

Ich staunte über die schnell einsetzende und langandauernde Wirkung der Bindegewebsmassage.

Marion Stoll
Fachlehrerin an der Storck-Schule, Bad Endbach



Postoperative Behandlung des Kniegelenkes

Sehr typisch für Patienten mit operativen Eingriffen am Kniegelenk ist es, dass das Bewegungsausmaß in die Flexion plötzlich nicht mehr verbessert werden kann (häufig bei einer Flexion von 70°).
Egal, wo der Bewegungsstop war, habe ich mit intensiven Bgm-Strichen an der Kniestreckseite und „im Gelenkspalt“ jedes Mal gute Ergebnisse erreicht, häufig in einer Behandlung bis zu 30° verbesserte Flexion.
Begründung:
Die BGM wirkt örtlich und zwar durchblutungsverbessernd, (dadurch) schmerzlindernd und lockernd für das Bindegewebe um das Gelenk z.B. der Sehnen, der Bänder und indirekt auch der Kapsel. Ebenfalls wird die Haut und die Op.-Narbe elastiziert.

Um die neugewonnene Flexion zu erhalten, folgte selbstverständlich eine aktive Übungsbehandlung.

Kristine Jückstock-Kaerger
Ehemalige Fachlehrerin und Leiterin der PT-Schule im Universitätskrankenhaus Eppendorf, Hamburg



Periarthrosis /-itis humero-scapularis „PHS“

Durch die Veränderung der das Schultergelenk umgebenen Strukturen bieten sich viele Therapiemöglichkeiten an. Zu selten wird hier an die Behandlung mit Bgm gedacht. Sie bietet sich an zur Schmerzlinderung, Kontrakturprophylaxe bzw. –beseitigung, bei Kapselmuster, Kapselverklebung.

Im Rahmen verschiedener Behandlungstechniken habe ich mit der Bgm am Schultergelenk –als Zusatzbehandlung- gute Erfolge erzielt. Hierbei habe ich immer alle mir bekannten Striche am Schultergelenk (Delta, Gelenkspalt ventral/dorsal, Kapsel axillar) durchgeführt und somit je nach Befund eine Schmerzlinderung, Kontrakturprophylaxe bzw. Verbesserung des Bewegungsausmaßes erreicht. Weitere Erfolge stellten sich ein bei der Behandlungskombination Manuelle Therapie und Bgm des Schulterblattes.

Meiner Erfahrung nach reicht Bgm allein bei der Behandlung nicht aus, ist jedoch eine gute Ergänzung zu anderen Therapiemöglichkeiten

Kristine Jückstock-Kaerger
Ehem. leitende Lehrkraft der PT-Schule im Universitätskrankenhaus Eppendorf, Hamburg


Erektile Störungen

Auf Grund ungünstiger Durchblutungsverhältnisse im unteren Beckenbereich. Bei Ausschluss von einem pathologischen Befund.

Ein Freund und Kollege bat mich, da er wusste das die bindegewebsmassage mein Steckenpferd ist, ob ich ihm nicht helfen könnte. Sein Problem war ein heikles Thema unter/bei Männern, welches selten oder gar nicht angesprochen wird: `erektile Dysfunktion´.

Die Erektion blieb oft aus, oder konnte nicht ausreichend aufrecht erhalten werden. Bevor er zu Medikamenten greifen wollte, sollte die Bgm ein Versuch zur Abhilfe sein und ohne Nebenwirkungen.

Ich stellte eine massive Genitalzone fest, die von einem Venenlymphband, sowie einer leichten arteriellen Beinzone begleitet wurde.
Die Behandlung erfolgte zunächst im Sitzen mit der klassischen Bgm-Arbeit, einer Mischung aus Strichführungen nach Teirich-Leube und Dicke. Damit ist der Grundaufbau, der den Gesäß- und Lumbalbereich umfasst. Ich gestaltete die Arbeit zunächst sanft und vorsichtig, im Sinne des Einschleichens, bei einer Dauer von 15 Minuten.

Von Behandlung zu Behandlung wurde die Technik jedoch intensiver gestaltet, d.h. die Unterhaut- und Faszientechnik wurden verstärkt von mir eingesetzt. Zusätzlich wurde die Behandlung in Bauch-, Seiten-, sowie Rückenlage erweitert. Bei letzterer wurde die Arbeit des Oberschenkels im Bereich des Tractus iliotibialis durch intensives anhaken gesteigert.
Die Behandlungen erfolgten 2-3 mal die Woche, bei jeweils 20 Minuten Dauer.
Nach der 5.Behandlung konnte mein Kollege von einer leichten Verbesserung seiner Symptome berichten. Die Durchblutungssituation wurde spürbar verbessert.

So ab der 6.Behandlung baute ich die sog. Reizreaktionspunkte im Beckenbereich ein. Die durch ihre starke Reaktion eine deutliche, positivere Wirkung auslösten. Die Einziehung auf dem Kreuzbein (Genitalzone) konnte etwas ausgeglichen werden, sowohl in ihrer Sichtbarkeit, als auch in ihrem Spannungszustand, der geringer wurde.
Jetzt folgten nur noch 2 Behandlungen pro Woche, so dass wir insgesamt auf 12 Behandlungen kamen. Es wurde ein wirklich gutes Ergebnis erzielt.

Abschließend kann gesagt werden, die Bgm war als Alternative zu Viagra und Co. Ein erfolgreiches Mittel und ganz ohne Nebenwirkungen.
Eine weitere Behandlungsserie –nach 2-wöchiger Pause- wurde zur Auffrischung der Wirkung verabreicht.
Die Abstände der Behandlungen wurden immer größer und die Anzahl der Behandlungen einer Behandlungsserie geringer.

Gerhard Radloff
Masseur und med. Bademeister, ehem. leitende Lehrkraft der Massageschule, Hamburg



M.Sudeck / sympathische Reflexdystrophie / regionales Schmerzsyndrom Typ I
linker Arm, Zustand nach Unterarmfraktur

Fr.S. kam ambulant zur Behandlung in die Abteilung für Physikalische Therapie des AK Wandsbek, im dystrophischen Stadium eines M.Sudeck.
Die Symtome waren Glanzhaut, Zyanose und Schwellung im Bereich des Unterarmes und der Hand, das gesamte Gebiet war sehr schmerzhaft bei Berührung und bei Aktivität, mit deutlicher Bewegungseinschränkung im Handgelenk.
Sicht- und tastbare Bindegewebszonen: linksseitige Armzone / untere Grätengrube; starke Einziehung neben dem medialen Scapularand; deutliches Nackenband;

Die Behandlung begann lumbosakral (im Sinne des Grundaufbaus) und wurde von mir zügig aufsteigend gestaltet, wobei der Rand des M.latissimus dorsi beidseitig einbezogen wurde. Ab dem 7.Brustwirbel arbeitete ich nur auf der rechten Seite, im Sinne der konsensuellen Reaktion weiter. Der Nackenbereich wurde beidseitig von mir einbezogen.
In den ersten 3 Behandlungen wiederholte ich diese Vorgehensweise. Dann wurde die Behandlung des linken Schulterblattes vorsichtig integriert. Ab der 6.Behandlung wurde der rechte Arm mitbehandelt. Am linken Arm setzte ich die Hauttechnik von distal nach proximal ein.
Auch der ventrale Bereich (Gebiet des M.pectoralis, sowie der ventrale und laterale Thoraxbereich) wurden hinzugenommen. Nach der 12.Behandlung traute ich mich mit einer vorsichtig dosierten Unterhauttehnik an den betroffenen Arm heran. Ich versuchte die erhöhte Spannung in der Haut zu lösen, immer in schmerzfreier Dosierung.

Nach jeder Bindegewebsmassage folgte die bewegungstherapeutische Behandlung durch die Krankengymnastin.
Der Abschlußbefund nach der 18. Behandlung:
- keine Schmerzen bei Berührung, deutliche Reduzierung der Schmerzen bei Bewegung
- die Haut war in einem normaleren Zustand / Abbau der Glanzhaut
- Spannungsreduzierung der oberen Hautschichten
- erhöhte Beweglichkeit des Handgelenkes
- die Bindegewebszone neben dem Scapularand war weniger ausgeprägt; die Armzone jedoch
blieb sichtbar, wobei die Spannung nachgelassen hatte.

Nach einer 2-wöchigen Therapiepause wurden weitere 6 Behandlungen angesetzt. Auch nach dieser Behandlungsserie konnte die Beweglichkeit nicht ganz wieder hergestellt werden.

Abschließend kann gesagt werden, dass das Sudeck-Syndrom aus physikalisch therapeutischer Sicht ein schwieriges Terrain darstellt. Auch die psychologische, pädagogische Begleitung des Patienten mit dieser Erkrankung braucht ein gutes Gespür, da die langsamen Fortschritte während der Behandlungsserie meistens nur schwerlich von dem Patienten akzeptiert werden können.

Gerhard Radloff
Masseur und med. Bademeister, ehem.Fachlehrer und leitende Lehrkraft der Massageschule, Hamburg


Lungenfunktionsstörungen

Patientin, 62 Jahre bettlägrig, adipös, schwere Herzinsuffizienz mit pulmonaler Belastung. Die Atmung der Patientin ist sehr kurz und flach. Auf Grund einer Verschlechterung des allgenmein Zustandes, wird sie ins Krankenhaus überwiesen.
Die Patientin fühlt sich einer Mobilisierung im Sinne der Physiotherapie nicht gewachsen. Sie reagiert auf Ansprache sehr abwehrend.
Die ärztliche Verordnung lautet: Atemtherapie und Bindegewebsmassage zur Unterstützung der Atemfunktion.

Die Patientin wird ausschließlich mit der flächige Bindegewebsmassage behandelt. Im Gesäßbereich nimmt die Patientin schon beim Verschieben des Bindegewebes bis zur Verschiebegrenze ein Schneidegefühl wahr. Die Atmung wird während der Arbeit am Gesäß ruhiger. Beim Verschieben der Gewebsfalte im Lenden- und Brustwirbelbereich vertieft sich die Atmung deutlich.
Schon zum Ende der 1.Behandlung entspannt sich die innere Abwehrhaltung der Patientin. Sie atmet gelassener und setzt den Lagewechsel aus der Seitlage in die Rückenlage leichter um.

Die Patientin wird täglich behandelt. Am 4. Behandlungstag macht sie ihren Toilettengang in Begleitung einer Schwester und die physiotherapeutische Behandlung im Sinne einer Mobilisation kann begonnen werden.
Die Bindegwebsmassage ist in diesem Fall besonders deutlich auf zwei Ebenen wirksam geworden. Die Verbesserung des Allgemeinzustandes und der Lungenfunktion auf der einen Seite, die Stabilisierung der psychischen Ausgangslage auf der anderen Seite.


Elisabeth Badde-Borcherding,
Masseurin und med.Bademeisterin, Diplompädagogin, Fachlehrerin an PT/Massage- Schulen, Hamburg, Lübeck; eigene Praxis in Glinde


Asthma bronchiale:

Patientin, 47 Jahre, Krankenschwester, erstes Auftreten der Erkrankung vor 25 Jahren.
Vor 10 Jahren wurde auf Grund häufiger und starker Atemnotanfälle auch nachts der Einsatz eines Asthmasprays 3 - 4 mal täglich notwendig. Es war in einer Phase der extremen Anspannung im häuslichen Bereich. Vier bis sechs Wochen hielt dieser Zustand an. Es kostete enorm viel Kraft.

Jetzt liegt eine ähnliche Situation im privaten Bereich vor. Die Patientin reagiert mit der gleichen Symptomatik. Dieses mal wird von der Ärztin für physikalische Therapie eine Verordnung über 10x Bindegewebsmassage ausgeschrieben.
In den ersten drei Tagen wird täglich behandelt, in der folgenden Woche kommt die Patientin 3x wöchentlich zur Behandlung und dann wurden die Behandlungsintervalle auf 2x wöchentlich reduziert, so dass die Patientin für 31/2 Wochen begleitet werden konnte.

Erstbefund im Bindegewebe:
deutliche Einziehung zwischen den Schulterblättern, besonders deutlich Th2-3;
verminderte Verschieblichkeit der unteren Verschiebeschicht paravertebral der Wirbelsäule im gesamten Verlauf, besonders deutlich zwischen den Schulterblättern Th2-3; am Rand des M.latissimus dorsi, rechts > links; im Schulter-Nackenbereich;
Mm.scaleni, beidseits, M.trapezius descendens, rechts > links, M.rhomboideus minor,
rechts > links sind deutlich hyperton und schmerzhaft, die paravertebrale Muskulatur im gesamten Verlauf, M.rhomboideus major, rechts > links, Mm.pectoralis, beidseits und M.obliquus externus, beidseits sind hyperton

Gleich nach der ersten Behandlung ausschließlich mit Hauttechnik, verbringt die Patientin eine entspanntere Nacht. Sie wacht nur einmal auf. Am folgenden Tag ist das Asthmaspray schon einmal weniger notwendig.

Jetzt folgt die Behandlung mit Unterhauttechnik langsam aufbauend im gesamten Rückenbereich. Begonnen wurde mit den Arbeitsgängen im Beckenbereich. Die Strichführungen im lateralen Rumpfbereich, das Anhaken am Rand des M..latissimus dorsi mit entsprechender Vorsicht und die Arbeitsgänge auf der seitl. Brustkorbwand werden bei diesem Krankheitsbild danach durchgeführt.

Die Arbeit im Thoraxbereich beginnt mit Längsgängen im Verlauf der Intercostalräume, Zugrichtung nach lateral. Es folgten dann die Längsgänge über dem M.latissimus dorsi von lateral nach medial. Mit dem Brustkorbgang wurde die Arbeit imThoraxbereich abgeschlossen werden.
Die kurzen Längsgänge über dem M.erector spinae wurden nicht eingesetzt (® Lungen-Bronchialzone), statt dessen wurden Querstriche in Hauttechnik vom lateralen Rand des M.erector spinae rechts zum lateralen Rand links gezogen.

Nach den ersten drei Behandlungen mit dieser Technik hat sich der Einsatz des Sprays erheblich reduziert. Die Patientin spricht von dem Gebrauch einmal täglich und von deutlich entspannteren Nächte.
Die Strichführungen in der Achselhöhle, im Schulterblatt- und Nackenbereich waren jetzt von besonderer Bedeutung ( ® Atemhilfsmuskulatur).
Abschließend wurden nach jeder Behandlung lange Ausgleichstriche über dem M.pectoralis gezogen.

Zum Ende der Behandlungsserie hat die Patientin keine Atemnotanfälle mehr. Sie schläft gut. Das Bindegewebe im Thoraxbereich weist relativ gute Verschieblichkeit auf. Die Schultergürtel- und Thoraxmuskulatur hat insgesamt wieder einen Normotonus.
Die Patientin ist optimistisch bezogen auf das Lösen ihrer privaten Probleme.


Elisabeth Badde-Borcherding,
Masseurin und med.Bademeisterin, Diplompädagogin, Fachlehrerin an PT/Massage- Schulen, Hamburg, Lübeck; eigene Praxis in Glinde


Zustand nach Magenresektion

Patientin, 54 Jahre, Zustand nach Magenresektion, auf Grund eines Magenkarzinoms, 2.Tg post OP. Die Patientin klagt über Schulter-Nacken-Verspannungen links.
Die Verordnung lautet: Schulter-Nacken-Massage

Erstbefund: M.trapezius descendens, M.levator scapulae, die tiefe Nackenmuskulatur, die rhomboideen und der M.infraspinatus zeigen einen Hypertonus und sind teilwiese schmerzhaft.

Da die eingesetzte Massage keinen Effekt zeigt, wird nach Absprache mit dem Arzt, Bindegewebsmassage verabreicht, das heißt am 1.Tag wird mit Hauttechnik behandelt.
Schon während der Behandlung zeigen sich die ersten Anzeichen einer allgemeinen vegetativen Umstimmung. Die Patientin wirkt deutlich entspannter und hat weniger Spannungsschmerz im Schulter-/Nackenbereich.
Die Behandlung mit Hauttechnik in Seitlage wird noch einmal wiederholt. Es kommt zu einem leichten Spannungsabbau in der Schulter-Nackenmuskulatur. Außerdem stabilisiert die Behandlung die vegetative Ausgangslage der Patientin (siehe Diagnose).

Die nächsten Behandlungen werden im Sitzen verabreicht, dabei kommt die Unterhauttechnik zum Einsatz. Zunächst mit Strichführungen im Beckenbereich, im rechten Thoraxbereich und im rechten Schulterblattbereich. Im Folgenden auch im linken Thorax- und Schulterblatt-
bereich sowie Arbeitsgänge im Nackenbereich.

Der muskuläre Hypertonus kann über die Behandlung mit Bindegewebsmassage in diesem Fall vollständig gelöst werden. Gleichzeitig fühlte sich die Patientin trotz des relativ großen Eingriffes sehr schnell wieder stabil und entlassungsbereit.

Zur Erklärung muß dargelegt werden, dass für die Innervation des Zwerchfells sowie des Peritonealüberzugs der Leber, der Gallenblase und der Pankreas der N.phrenicus zuständig ist. Dieser Nerv ist in C3-C4 angesiedelt, die entsprechenden Dermatome liegen also im Schulter-/Nackenbereich. Die darunterliegende Muskulatur wird in so einer Situation mit beeinflußt.
Über die Arbeit im Bindegewebe des gesamten Thorax kann also die Muskelspannung, die sich durch die Magen-OP im Schulter-/Nackenbereich festgesetzt hat, gelöst werden. Wir nutzen den gleichen Wirkweg in umgekehrter Richtung.


Elisabeth Badde-Borcherding,
Masseurin und med.Bademeisterin, Diplompädagogin, Fachlehrerin an PT/Massage- Schulen, Hamburg, Lübeck; eigene Praxis in Glinde