Fr.S. kam ambulant zur Behandlung in die Abteilung für Physikalische Therapie
des AK Wandsbek, im dystrophischen Stadium eines M.Sudeck.
Die Symtome waren Glanzhaut, Zyanose und Schwellung im Bereich des Unterarmes
und der Hand, das gesamte Gebiet war sehr schmerzhaft bei Berührung und bei
Aktivität, mit deutlicher Bewegungseinschränkung im Handgelenk.
Sicht- und tastbare Bindegewebszonen: linksseitige Armzone / untere Grätengrube;
starke Einziehung neben dem medialen Scapularand; deutliches Nackenband;
Die Behandlung begann lumbosakral (im Sinne des Grundaufbaus) und wurde von
mir zügig aufsteigend gestaltet, wobei der Rand des M.latissimus dorsi beidseitig
einbezogen wurde. Ab dem 7.Brustwirbel arbeitete ich nur auf der rechten Seite,
im Sinne der konsensuellen Reaktion weiter. Der Nackenbereich wurde beidseitig
von mir einbezogen.
In den ersten 3 Behandlungen wiederholte ich diese Vorgehensweise. Dann wurde
die Behandlung des linken Schulterblattes vorsichtig integriert. Ab der 6.Behandlung
wurde der rechte Arm mitbehandelt. Am linken Arm setzte ich die Hauttechnik von
distal nach proximal ein.
Auch der ventrale Bereich (Gebiet des M.pectoralis, sowie der ventrale und laterale
Thoraxbereich) wurden hinzugenommen. Nach der 12.Behandlung traute ich mich mit
einer vorsichtig dosierten Unterhauttehnik an den betroffenen Arm heran. Ich versuchte
die erhöhte Spannung in der Haut zu lösen, immer in schmerzfreier Dosierung.
Nach jeder Bindegewebsmassage folgte die bewegungstherapeutische Behandlung
durch die Krankengymnastin.
Der Abschlußbefund nach der 18. Behandlung:
- keine Schmerzen bei Berührung, deutliche Reduzierung der Schmerzen bei
Bewegung
- die Haut war in einem normaleren Zustand / Abbau der Glanzhaut
- Spannungsreduzierung der oberen Hautschichten
- erhöhte Beweglichkeit des Handgelenkes
- die Bindegewebszone neben dem Scapularand war weniger ausgeprägt; die Armzone
jedoch
blieb sichtbar, wobei die Spannung nachgelassen hatte.
Nach einer 2-wöchigen Therapiepause wurden weitere 6 Behandlungen angesetzt. Auch nach dieser Behandlungsserie konnte die Beweglichkeit nicht ganz wieder hergestellt werden.
Abschließend kann gesagt werden, dass das Sudeck-Syndrom aus physikalisch therapeutischer Sicht ein schwieriges Terrain darstellt. Auch die psychologische, pädagogische Begleitung des Patienten mit dieser Erkrankung braucht ein gutes Gespür, da die langsamen Fortschritte während der Behandlungsserie meistens nur schwerlich von dem Patienten akzeptiert werden können.
Gerhard Radloff
Masseur und med. Bademeister, ehem.Fachlehrer und leitende Lehrkraft der Massageschule,
Hamburg
Patientin, 62 Jahre bettlägrig, adipös, schwere Herzinsuffizienz
mit pulmonaler Belastung. Die Atmung der Patientin ist sehr kurz und flach. Auf
Grund einer Verschlechterung des allgenmein Zustandes, wird sie ins Krankenhaus
überwiesen.
Die Patientin fühlt sich einer Mobilisierung im Sinne der Physiotherapie
nicht gewachsen. Sie reagiert auf Ansprache sehr abwehrend.
Die ärztliche Verordnung lautet: Atemtherapie und Bindegewebsmassage zur
Unterstützung der Atemfunktion.
Die Patientin wird ausschließlich mit der flächige Bindegewebsmassage
behandelt. Im Gesäßbereich nimmt die Patientin schon beim Verschieben
des Bindegewebes bis zur Verschiebegrenze ein Schneidegefühl wahr. Die Atmung
wird während der Arbeit am Gesäß ruhiger. Beim Verschieben der
Gewebsfalte im Lenden- und Brustwirbelbereich vertieft sich die Atmung deutlich.
Schon zum Ende der 1.Behandlung entspannt sich die innere Abwehrhaltung der Patientin.
Sie atmet gelassener und setzt den Lagewechsel aus der Seitlage in die Rückenlage
leichter um.
Die Patientin wird täglich behandelt. Am 4. Behandlungstag macht sie ihren
Toilettengang in Begleitung einer Schwester und die physiotherapeutische Behandlung
im Sinne einer Mobilisation kann begonnen werden.
Die Bindegwebsmassage ist in diesem Fall besonders deutlich auf zwei Ebenen wirksam
geworden. Die Verbesserung des Allgemeinzustandes und der Lungenfunktion auf der
einen Seite, die Stabilisierung der psychischen Ausgangslage auf der anderen Seite.
Elisabeth Badde-Borcherding,
Masseurin und med.Bademeisterin, Diplompädagogin, Fachlehrerin an PT/Massage-
Schulen, Hamburg, Lübeck; eigene Praxis in Glinde
Patientin, 47 Jahre, Krankenschwester, erstes Auftreten der Erkrankung vor
25 Jahren.
Vor 10 Jahren wurde auf Grund häufiger und starker Atemnotanfälle auch
nachts der Einsatz eines Asthmasprays 3 - 4 mal täglich notwendig. Es war
in einer Phase der extremen Anspannung im häuslichen Bereich. Vier bis sechs
Wochen hielt dieser Zustand an. Es kostete enorm viel Kraft.
Jetzt liegt eine ähnliche Situation im privaten Bereich vor. Die Patientin
reagiert mit der gleichen Symptomatik. Dieses mal wird von der Ärztin für
physikalische Therapie eine Verordnung über 10x Bindegewebsmassage ausgeschrieben.
In den ersten drei Tagen wird täglich behandelt, in der folgenden Woche kommt
die Patientin 3x wöchentlich zur Behandlung und dann wurden die Behandlungsintervalle
auf 2x wöchentlich reduziert, so dass die Patientin für 31/2 Wochen
begleitet werden konnte.
Erstbefund im Bindegewebe:
deutliche Einziehung zwischen den Schulterblättern, besonders deutlich Th2-3;
verminderte Verschieblichkeit der unteren Verschiebeschicht paravertebral der
Wirbelsäule im gesamten Verlauf, besonders deutlich zwischen den Schulterblättern
Th2-3; am Rand des M.latissimus dorsi, rechts > links; im Schulter-Nackenbereich;
Mm.scaleni, beidseits, M.trapezius descendens, rechts > links, M.rhomboideus
minor,
rechts > links sind deutlich hyperton und schmerzhaft, die paravertebrale Muskulatur
im gesamten Verlauf, M.rhomboideus major, rechts > links, Mm.pectoralis, beidseits
und M.obliquus externus, beidseits sind hyperton
Gleich nach der ersten Behandlung ausschließlich mit Hauttechnik, verbringt die Patientin eine entspanntere Nacht. Sie wacht nur einmal auf. Am folgenden Tag ist das Asthmaspray schon einmal weniger notwendig.
Jetzt folgt die Behandlung mit Unterhauttechnik langsam aufbauend im gesamten Rückenbereich. Begonnen wurde mit den Arbeitsgängen im Beckenbereich. Die Strichführungen im lateralen Rumpfbereich, das Anhaken am Rand des M..latissimus dorsi mit entsprechender Vorsicht und die Arbeitsgänge auf der seitl. Brustkorbwand werden bei diesem Krankheitsbild danach durchgeführt.
Die Arbeit im Thoraxbereich beginnt mit Längsgängen im Verlauf der
Intercostalräume, Zugrichtung nach lateral. Es folgten dann die Längsgänge
über dem M.latissimus dorsi von lateral nach medial. Mit dem Brustkorbgang
wurde die Arbeit imThoraxbereich abgeschlossen werden.
Die kurzen Längsgänge über dem M.erector spinae wurden nicht eingesetzt
(® Lungen-Bronchialzone), statt dessen wurden Querstriche in Hauttechnik vom
lateralen Rand des M.erector spinae rechts zum lateralen Rand links gezogen.
Nach den ersten drei Behandlungen mit dieser Technik hat sich der Einsatz des
Sprays erheblich reduziert. Die Patientin spricht von dem Gebrauch einmal täglich
und von deutlich entspannteren Nächte.
Die Strichführungen in der Achselhöhle, im Schulterblatt- und Nackenbereich
waren jetzt von besonderer Bedeutung ( ® Atemhilfsmuskulatur).
Abschließend wurden nach jeder Behandlung lange Ausgleichstriche über
dem M.pectoralis gezogen.
Zum Ende der Behandlungsserie hat die Patientin keine Atemnotanfälle mehr.
Sie schläft gut. Das Bindegewebe im Thoraxbereich weist relativ gute Verschieblichkeit
auf. Die Schultergürtel- und Thoraxmuskulatur hat insgesamt wieder einen
Normotonus.
Die Patientin ist optimistisch bezogen auf das Lösen ihrer privaten Probleme.
Elisabeth Badde-Borcherding,
Masseurin und med.Bademeisterin, Diplompädagogin, Fachlehrerin an PT/Massage-
Schulen, Hamburg, Lübeck; eigene Praxis in Glinde
Patientin, 54 Jahre, Zustand nach Magenresektion, auf Grund eines Magenkarzinoms,
2.Tg post OP. Die Patientin klagt über Schulter-Nacken-Verspannungen links.
Die Verordnung lautet: Schulter-Nacken-Massage
Erstbefund: M.trapezius descendens, M.levator scapulae, die tiefe Nackenmuskulatur, die rhomboideen und der M.infraspinatus zeigen einen Hypertonus und sind teilwiese schmerzhaft.
Da die eingesetzte Massage keinen Effekt zeigt, wird nach Absprache mit dem
Arzt, Bindegewebsmassage verabreicht, das heißt am 1.Tag wird mit Hauttechnik
behandelt.
Schon während der Behandlung zeigen sich die ersten Anzeichen einer allgemeinen
vegetativen Umstimmung. Die Patientin wirkt deutlich entspannter und hat weniger
Spannungsschmerz im Schulter-/Nackenbereich.
Die Behandlung mit Hauttechnik in Seitlage wird noch einmal wiederholt. Es kommt
zu einem leichten Spannungsabbau in der Schulter-Nackenmuskulatur. Außerdem
stabilisiert die Behandlung die vegetative Ausgangslage der Patientin (siehe Diagnose).
Die nächsten Behandlungen werden im Sitzen verabreicht, dabei kommt die
Unterhauttechnik zum Einsatz. Zunächst mit Strichführungen im Beckenbereich,
im rechten Thoraxbereich und im rechten Schulterblattbereich. Im Folgenden auch
im linken Thorax- und Schulterblatt-
bereich sowie Arbeitsgänge im Nackenbereich.
Der muskuläre Hypertonus kann über die Behandlung mit Bindegewebsmassage in diesem Fall vollständig gelöst werden. Gleichzeitig fühlte sich die Patientin trotz des relativ großen Eingriffes sehr schnell wieder stabil und entlassungsbereit.
Zur Erklärung muß dargelegt werden, dass für die Innervation
des Zwerchfells sowie des Peritonealüberzugs der Leber, der Gallenblase und
der Pankreas der N.phrenicus zuständig ist. Dieser Nerv ist in C3-C4 angesiedelt,
die entsprechenden Dermatome liegen also im Schulter-/Nackenbereich. Die darunterliegende
Muskulatur wird in so einer Situation mit beeinflußt.
Über die Arbeit im Bindegewebe des gesamten Thorax kann also die Muskelspannung,
die sich durch die Magen-OP im Schulter-/Nackenbereich festgesetzt hat, gelöst
werden. Wir nutzen den gleichen Wirkweg in umgekehrter Richtung.
Elisabeth Badde-Borcherding,
Masseurin und med.Bademeisterin, Diplompädagogin, Fachlehrerin an PT/Massage-
Schulen, Hamburg, Lübeck; eigene Praxis in Glinde